Maria Oikonomou-Meurer

Date: 
Tuesday, November 28, 2017 -
18:00 to 19:00
Location: 
österreichisches archäologisches institut, Leoforos Alexandras 26
Event Description: 

MSc Dr. Maria Oikonomou-Meurer Universität Wien, Im Körper und wider das Recht. Di skursorte der Nostalgik erinnen.

Seit der Frühmoderne bildet die Nostalgie ein eminentes Beispiel für das Übergreifen der
Fremdheitserfahrung in die Sphäre des Somatischen. Während der Wunsch des Migranten oder
Exilierten nach Heimkehr bereits die Homerische Odyssee und damit den Gründungsmoment
westlicher Literaturen bestimmt, bleibt er in der Antike und Vormoderne doch stets Seelenbewegung
und geistige Richtungnahme, die sich bestenfalls im metaphorischen Organ eines »sehnenden
Herzens« abzeichnet.
Erst die Neuzeit schafft durch ihre Differenzierung und Szientifizierung der Humanwissenschaften die
Grundlage für das Heimweh als Krankheit, der ein standardisierter körperlicher Symptomkomplex
beigeordnet ist. Die Erfindung der Nostalgie durch den Schweizer Physiologen Johannes Hofer
(»Dissertatio medica De Nostalgia, Oder Heimwehe«, 1688) überführt das Heimweh in den Bereich
des Pathologischen, eine Positionierung, die noch 1909 in Karl Jaspers’ »Heimweh und Verbrechen« als
Kriminalisierung des abnormen Heimwehs ihren Widerhall findet. Mit Blick auf die Nostalgie widmet
sich der Vortrag sowohl den wissenschaftlichen Diskursen, die seit dem 17. Jahrhundert das Heimweh
als eine physische Erkrankung zu ›erzählen‹ suchen, als auch dem Reflex dieser außerliterarischen
Diskurse in der neugriechischen Lyrik und Prosa.